



ANNABELS GANG-BANG
Die Vorstellungen am 12. & 13. März müssen krankheitsbedingt leider ausfallen.
Text und Regie: Sascha Koal
mit Sarah Gros, DangerZone & Dirk Mühlbach
Dramaturgische Beratung: Jan Deck
Fotos von Nina Urban (www.ninaurban.de)
Einlass erst ab 16 Jahren!
Eintrittspreis: 12 € / 6 € (ermäßigt)
Vom 24. bis zum 28. November 2010 fanden zum zweiten mal die Freien Theatertage
statt.
Infos unter:
und auf unserer Seite zu Schwindelfrei.



Annabel Chongs Weltrekord im Gang-Bang vor 15 Jahren ist Anlass für einen Assoziationsreigen, der von den erotischen Phantasien der Gebrüder Grimm bis hin zum babylonischen Hollywood reicht.
Warum gibt sich eine Frau innerhalb mehrerer Stunden im Minutentakt gleichzeitig sehr vielen, ihr gänzlich unbekannten Männern hin? Warum geht ein Mann zum Gang-Bang, stellt sich nackt in die Schlange? Was hat Pornografie mit Kunst zu tun und warum und wie beschäftigen sich Theatermacher damit?
Annabel Chong: eine 1972 in Singapur geborene Chinesin, die Jura, Kunst und Fotographie in London bzw. Los Angeles studiert hat. Berühmt wurde sie allerdings 1995, als sie den damaligen Rekord im Gang-Bang aufstellte.


Keine Angst: Es erwarten Sie weder Klischees über Pornografie, noch eine melodramatische Psychologisierung ihrer Protagonisten. Der Weltrekord vor 15 Jahren ist vielmehr Anlass für eine assoziative Reise in eine Welt, die von unserer Gesellschaft mit einer Ambivalenz von Faszination und Abscheu betrachtet wird...



Pressestimmen:
...ein mutiger Vorstoß, der sich lustvoll an die Grenzen der Zumutbarkeit heranwagt...
Mannheimer Morgen
Koal hatte eine Collage aus Texten, Videosequenzen und Musik zusammengestellt, bei der sich ständig die Perspektive änderte, neue Erzählebenen eingeführt wurden, Weltliteratur zitiert und der Schauplatz gewechselt wurde.
DIE RHEINPFALZ





Schwindelfrei: Das Theater Felina Areal beleuchtet die Abgründe der Körperkunst
Wirklichkeit und Fantasie
Von MM-Redaktionsmitglied Bernd Mand

Die Pornografie ist ein altes Geschäft. Von den erotischen Darstellungen in den Frühkulturen bis zur heutigen, scheinbaren Omnipräsenz konnten moralische Feldzüge und Wellen gesellschaftlicher Prüderie
und Scheinsprödigkeit dieser alten Dame in der westlichen Welt nicht wirklich gefährlich werden.
Rückblickend scheint es dementsprechend schon beinahe zynisch, dass ausgerechnet das hochgeschlossene viktorianische England in den 1860er Jahren als erste Nation dem Kind seinen Namen gab. Malerei, Fotografie und das bewegte Bild sind die traditionellen Heimatgründe der Pornografie. Die Darstellenden Künste zeigten sich dagegen bisher weniger engagiert. Abgesehen von einschlägigen Etablissements in rotbeleuchteten Straßenzügen, deren Inszenierungen dem Kunstbegriff der meisten von uns wohl eher nicht gerecht werden.
Der Beitrag des Theaters Felina Areal zur diesjährigen Ausgabe des Schwindelfrei-Festivals mit dem Schwerpunktthema „Die Kunst des Körpers“ widmet sich jetzt also der Pornografie. Genauer gesagt dem
Geschäftszweig, der sein Geld damit verdient, genau das sichtbar zu machen, was ansonsten hinter verschlossenen Türen passiert. Oder vielleicht auch nur in der eigenen Fantasie. „Auf das Thema bin ich
schon vor Jahren gestoßen, als ich eine Kritik über den Dokumentarfilm ,Sex - The Annabel Chong Story’
gelesen habe. Der ist damals sogar beim Sundance-Festival gelaufen und nominiert worden“, erzählt Sascha Koal, Leiter des Theaters Felina Areal und Regisseur des Theaterprojekts.
Die Dokumentation, deren Untertitel auf Deutsch übersetzt „Die dunkle Seite des Amerikanischen
Traums“ lautet, erzählt die Geschichte der Pornofilmdarstellerin Annabel Chong, die dadurch berühmt
wurde, dass sie in einem ihrer Filme mit 251 Männern Sex hatte.
„Man denkt dann schnell, die kann wohl nichts anderes. Aber wir sprechen hier von einer Frau, die aus einer gebildeten Mittelklasse-Familie stammt, selbst Jura, Kunst und Fotografie studiert hat und sich hier die Zukunft eher verbaut.“
Koals Projekt über biografische und gesellschaftliche Hintergründe dieser Lebensgeschichte verzichtet
auf ein striktes narratives Gerüst. Vielmehr steht die assoziative Annäherung im Mittelpunkt, die mit dem
Voyeurismus des Zuschauers arbeiten wird und die Künstlichkeit erotischer Darstellungen und ihres kommerziellen Gebrauchswerts beleuchtet. Das bedeutet auch eine Abwendung vom Guckkastenformat hin zur individuellen Zuschauererfahrung, ohne sich aber auf explizite pornografische Inhalte zu stützen.
Mit offenem Blick
Kunsttheoretische Verknüpfungspunkte wie das Orgien-Mysterien- Theater des Wiener Aktionisten Hermann Nitsch oder literarische Anleihen bei Schnitzlers „Traumnovelle“ spielen bei der Entwicklung vielmehr eine Rolle. „Wo die Reise mit dem Stück jetzt genau hingeht, das kann ich noch nicht sagen. Das sind schließlich alles Assoziationsketten, die auch keine eindeutigen Antworten geben.“ Ein sensibles und mutiges Unterfangen wächst hier in den Räumen des Hinterhoftheaters heran, das sich dem Thema des Produktionsfestivals mit offenem Blick annähert.
Mannheimer Morgen
- 15. September 2010
Die Produktion wird gefördert durch das Kulturamt der Stadt Mannheim und den Landesverband Freier Theater Baden-Württemberg aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.


