PSYCHOPATHIA SEXUALIS
Schauspiel von Sascha Koal
Juni 2011
Einlass erst ab 16 Jahren!
Eintrittspreis: 12 € / 6 € (ermäßigt)
Regie und Text: Sascha Koal
unter Verwendung der Schriften und Biographien von Richard von Krafft-Ebing, Marquis de Sade und Leopold von Sacher Masoch
Mit diesem Projekt wird eine Reihe fortgesetzt, die 2009 mit einer Lesung über Iffland begann:
die Beleuchtung bedeutender Persönlichkeiten, die in Mannheim geboren wurden oder hier gewirkt haben.
Im Herbst 2011 wird dies der Komponist Ignaz Holzbauer (immerhin befindet sich ja der Eingang zu unserem Theater in der nacch ihm benannten Straße) und bereits im Sommer der Psychiater Richard von Krafft-Ebing sein.

Richard von Krafft-Ebing (1840 - 1902) war einer der wichtigsten und bis heute umstrittensten Pioniere der modernen Sexualwissenschaften. Der Psychiater, der in Mannheim geboren wurde und in Heidelberg aufwuchs, an den Universitäten Graz und Wien tätig war, prägte in seinem Hauptwerk "Psychopathia sexualis" Begriffe wie Sadismus, Masochismus oder Fetischismus.
Seine 1886 erstmals veröffentlichte Studie "Psychopathia sexualis" war ein weit über die Fachgrenzen hinaus berühmt-berüchtigter Bestseller, mit dem sich sein Autor auch zahlreiche Feinde machte.

Einer, der den ab 1872 in Österreich tätigen deutschen Psychiater ganz und gar nicht leiden konnte, war der Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch. Der Autor des erotischen Romans "Venus im Pelz" empörte sich bis an sein Lebensende darüber, dass Krafft-Ebing seinen Namen missbraucht hätte, um damit die sexuelle Lust an der eigenen Unterdrückung zu bezeichnen. War Sacher-Masoch bis dahin ein geachteter, ja verehrter Autor, so wurde er quasi über Nacht zu einer Unperson und geriet "dank" Krafft-Ebings Diffamierung bald in Vergessenheit.
Die ursprünglich bloß 109 Seiten starke Studie basierte auf 51 Fallgeschichten, eine - zumindest für die damalige Zeit - erstaunliche Sammlung sexueller "Abweichungen".
Krafft-Ebing wurde durch sein Hauptwerk zu einem Geburtshelfer der modernen und verwissenschaftlichten Sexualität.
In dem Theaterabend wird es um die Bedeutung und Wirkung Krafft-Ebings gehen, um seine Einbettung in die Gesellschaft, die ihn damals umgab, aber ebenso um seine (Miss-)Interpretation von Literatur und damit Vereinnahmung der Kunst im Dienste und Sinne der Wissenschaft.
Es wird ein assoziativer Abend um die Geburtsstunde moderner Sexualwissenschaft, die trotz all ihrer zum Teil falschen und auch grotesken Deutungen menschlichen Verhaltens eine weitreichende Bedeutung für unsere heutige Sicht, aber noch mehr dafür hat, dass ein gesellschaftlicher Diskurs über dieses elementare Thema überhaupt stattfindet.